Nachdem ich im Mai 2016 schon auf ironische Art und Weise erklärt habe, wie man sein Team lobt, möchte ich mich heute nochmal ernsthaft mit dem Thema Lob auseinandersetzen. (Nachträgliche Anmerkung: Die Ironie haben damals nicht alle Leser verstanden und so musste ich das Axt-Logo mit „Ironie-Warnung“ erfinden.) 

In diesem Beitrag gibt es keine Ironie-Warnung, denn das Thema ist mir sehr wichtig. Es geht diesmal auch nicht um das Lob durch einen Vorgesetzten, denn warum sollte eigentlich immer nur der Chef etwas Nettes sagen? Stattdessen geht es mir heute um die innerbetriebliche Zusammenarbeit – sofern man auf dem einen oder anderen Projektbauernhof noch von Zusammenarbeit sprechen kann.

Egal wo man ist, ob intern oder extern, man hört immer mehr Gejammer: Die eigene Situation ist ganz furchtbar schlimm und alle anderen  sind Schuld an allem Übel.

Hier einige Beispiele aus der Welt der Software :

  • Der Vertrieb verkauft eh nur Mist und unrealistische Aufwände
  • Die Produktentwicklung macht zu viele Fehler und kümmert sich nicht
  • Die Projektteams kenen das Produkt nicht gut genug
  • Das Projekt-Office nimmt zu viele Projekte an
  • Und am schlimmsten ist eh das Controlling
  • Ach nein, ich vergaß: Am schlimmste ist ja die Hotline

Ich bin sicher, dass jeder Leser diese #mimimi-Liste noch um mindestens 10 branchenunabhängige Punkte erweitern kann.

Gestern war ich im Rahmen meines Ehrenamtes auf einem kirchlichen Workshop zum Thema „Gemeindeaufbau“. Hier wurde eine spannende Frage gestellt: Wenn wir wollen, dass Menschen sich wohl fühlen, warum nörgeln wir so viel aneinander herum und loben so wenig?

Ich finde, diese Frage lässt sich prima auf Unternehmen übertragen: Wenn wir wollen, dass Mitarbeiter sich wohl fühlen, sollten wir ALLE weniger und konstruktiver nörgeln. Könnten wir zu Beginn eines Gesprächs einfach mal davon ausgehen, dass unser Gegenüber gerne arbeitet und sein Bestes gibt? Im nächste Schritt, könnten wir das unserem Gegenüber sogar sagen – klingt verrückt, entspannt aber die Grabenkämpfe im Unternehmen.

„Von einem guten Kompliment zehre ich zwei Monate.“ 
(Mark Twain) 

Im gestrigen Seminar wurde eine „Lobquote“ angesprochen. Für alles Negative, dass ich los werden will, muss ich mindestens zwei positive Sachen benennen.
Ich finde diesen Gedanken sehr spannend. Nehme ich Kritik nicht viel ernsthafter, wenn ich das Gefühl habe, mein Gegenüber meint es eigentlich gut mit mir?

Im Grunde wollen doch alle nur das Eine: Gut zusammenarbeiten und ein gutes Produkt ausliefern. Das ist nicht nur eine Sache der Chefs.

“Willst Du Dein Land verändern,
verändere Deine Stadt.
Willst Du Deine Stadt verändern,
verändere Deine Straße.
Willst Du Deine Straße verändern,
verändere Dein Haus.
Willst Du Dein Haus verändern,
verändere Dich selbst.”

Arabisches Sprichwort

 

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2 Kommentare zu „Für weniger #mimimi

  1. Was mir in dem Kontext auch auffällt: Manchmal ist das Schimpfen auf Andere auch eine Ausrede, um nicht selbst aktiv zu werden. Schließlich hat man ja jemanden der Schuld ist und meckern erhöht zumindest kurzfristig das Befinden. Da muss man sich hin- und wieder auch mal selbst dran erinnern, wieviel man selbst in der Hand hat.

    Davon abgesehen ist nicht immer über die Anderen schimpfen etwas, woran ich mich manchmal auch selbst erinnern muss.

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