Peterchens Karrierefahrt

Die These:

Ist Euch schon mal aufgefallen, dass die wenigen Unfähigen uns 90 % der Zeit kosten? Woran liegt das? Ich habe manchmal den Eindruck, dass die Inkompetenten deshalb so effiziente Projektbremsen sind, weil diese zu oft in Schlüsselpositionen sitzen.

Schuld daran ist vermutlich das sogenannte „Peter-Prinzip“, die Hierarchie der Unfähigen. Diese These von Laurence J. Peter besagt, dass jeder Beschäftigte so lange befördert würde, bis er seine persönliche Stufe der Inkompetenz erreiche. Auf dieser Stufe bliebe der Mitarbeiter dann stehen, denn er sei ja unfähig. Wenn man dieses Prinzip kennt und mit der beobachtenden Wachsamkeit eines Ornithologen an Meetings teilnimmt, wird einem vieles klar. (Wobei wir hier grundsätzlich unterscheiden müssen:  Ist eine Person unfähig, oder erscheint sie mir nur unfähig.)

Laut Peter sei das fatale in vielen Unternehmen, dass der Unfähige auf seiner Schlüsselposition nicht alleine bliebe, denn er würde andere Schlüsselpositionen in seinem Einflussbereich mit anderen Unfähigen besetzen. Denn nur andere Unfähige könnten einem Unfähigen nicht gefährlich werden. Das traurige Resultat: Auf manchen Projektbauernhöfen würden nur noch die Menschen produktiv arbeiten, die noch nicht zu ihrer Stufe der Unfähigkeit befördert worden wären. Soweit die Theorie. Kommen wir zur Praxis:

Spieglein, Spielglein an der Wand, wer ist der Unfähigste im Land?

Der Klassiker für das Peter-Prinzip ist der Lehrer, der Direktor wird,  oder der brilliante Techniker, der Teamleiter wird. Das gilt auch für Projekte: Auch der beste Programmierer des Hauses eignet sich nicht unbedingt als Projektleiter für die SAP-Einführung. Ich habe nichts gegen gute Techniker in Teamleitungsfunktion, wenn sie auch ein Händchen für Menschen haben.

Einer meiner ersten IT-Leiter war ein besonders beeindruckendes Peter-Exemplar. Ein toller Techniker, von dem ich viel lernen durfte – bis er IT-Leiter wurde.  Um der eigenen Unfähigkeit professionell entgegen zu wirken, wurden nun verschiedene Gegenmaßnahmen eingeleitet, die man bei vielen anderen Unfähigen beobachten kann.

  • Aussitzen: Ein Abteilungsleiter einer Service-Abteilung hatte das Prinzip, jede Frage erst zu beantworten, wenn sie DREIMAL per Mail an ihn gestellt wurde. Oft trafen dann andere seine überfälligen Entscheidungen.
  • Technik: Ein IT-Leiter hatte 3 PCs und 2 Festnetztelefone mit jeweils drei Leitungen („A fool with six tools is still a fool“)
  • Der Schreibtisch ist überfüllt. „Nervt nicht, ihr seht doch wie viel Arbeit ich habe.“
  • Werkzeugsuche: Tagelange Analyse mit welchen Werkzeugen (heute wären das Apps) man ein Problem am besten lösen könnte, statt es erst zu lösen und danach die Routinelösung zu planen.
  • Kompensationsversuche: „Ich als Abteilungsleiter will aber die 200 als Telefonnummer. Und den größten Schreibtisch. Und den größten PC usw.“
  •  Prozesswahn: Das übermotivierte Bestreben, auch den kleinsten Geschäftsvorfall in einen Prozess zu stopfen und genauste Handlungsanweisungen zu schreiben.
  • „Fluchtprojekte“: Man kümmert sich um die neue *WasAuchImmer* und hat deshalb natürlich keine Zeit für die eigentliche Aufgabe.

Ein Aufruf zur Selbstanalyse: Einzelsymptome dürfen auftreten. Solltet ihr mehrere Symptome bei Euch erkennen, solltet ihr Euch Gedanken machen…

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Weidmannsheil

Wie werde ich möglichst schnell unfähig? Der Weg vom fähigen Techniker bis zum unfähigen Vorstandsvorsitzenden eines Konzerns ist lang und steinig. Wenn ihr also möglichst schnell unfähig werden wollt, müsst ihr neben den üblichen Prinzipien wie Vernetzung und Wegducken, eine auf das Unternehmen angepasste Strategie verfolgen.

Ich hörte  von einem Unternehmen, in dem führte der Königsweg in die Unfähigkeit über das gemeinsame Hobby mit dem Chef. Das nun folgende Kapitel über Männer in grüner Uniform fiel jedoch der Zensur meiner Frau zum Opfer, da man zu leicht erkennen könne, welches Unternehmen ich meine…

Ihr solltet aber immer darauf achten, dass Euer Bürojagdhund beim Zerlegen eines Knochens nicht kompetenter wirkt als ihr am Schreibtisch.

Auswege

Ganz einfach: Wenn ihr Glück habt, arbeitet ihr in einem Unternehmen mit einer ordentlichen Personalpolitik. Dort wird ein Techniker nur zum Chef, wenn er auch führen kann – oder zumindest das Potential dazu hat. Dummerweise ist in vielen Unternehmen der Weg zum Teamleiter der einzige Weg um als Techniker „aufzusteigen“.

Liebe Produktive: Lasst euch also nicht versehentlich in die Unfähigkeit befördern. Überlegt Euch Strategien, wie man trotz Kompetenz NICHT in die Inkompetenz befördert wird. (Parkt auf dem Parkplatz des Chefs, macht etwas verrücktes am Towel Day usw…)

Liebe Unfähige: Niemand ist gerne unfähig. War der Job als Techniker nicht viel cooler? Werdet wieder produktiv und macht das, was Euch Spaß macht. Auch ein „Rückschritt“ ist ein großer Schritt.

Liebe Personalabteilungen: Ein Mitarbeiter ist für das Unternehmen 1000 mal wichtiger, wenn er das tut was er kann und mag – und nicht das, was er können sollte. Statt ungeeignete Techniker in Personal- oder Projektverantwortung zu schubsen, solltet ihr Konzepte entwickeln, wie man sich auch als Techniker weiterentwickeln kann.

Fazit

Ausgangspunkt aller Unfähigkeit ist also die falsche Beförderung. Jeder Mitarbeiter sollte sich also überlegen, ob er die ihm angebotene Stelle wirklich annehmen sollte, oder ob es bessere Perspektiven im eigenen Kompetenzbereich gibt.

Zum Abschluss noch mein Lieblingsvideo zu dem Thema. Sehr überzogen, aber genau mein Humor.

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